Modern muten die Vorschläge zur Verhinderung der Masturbation an, die der französische Arzt Demeaux 1849 dem Minister für das staatliche Erziehungswesen unterbreitete. Statt Moral zu predigen propagierte er eine effektive, kostengünstige Kontrolle mittels einer raffinierten Konstruktion:

„Ich wurde vor einigen Jahren zur Behandlung eines jungen Mannes von siebzehn Jahren gerufen, den man krankheitshalber aus dem Internat genommen hatte.  Ich bemerkte schon bald, daß die Onanie die Ursache des ganzen Übels war.  Ich richtete meine Überlegungen danach aus, aber trotz meiner Warnungen, meiner Ratschläge und meiner sehr aktiven Aufsicht während des Tages gab sich der Kranke in der Nacht weiter seinen schändlichen Gewohnheiten hin.  Ich schlug vor, sein Bett neben dem seines Vaters aufzustellen und die ganze Nacht über eine Lampe brennen zu lassen, so daß der junge Kranke keine verdächtige Bewegung machen konnte, ohne entdeckt zu werden.  Dieser Notbehelf brachte ein ausgezeichnetes Ergebnis; ich wollte ihn einige Zeit beibehalten, ihn dabei jedoch weniger umständlich für die Familie machen.
Ich kam auf den Gedanken, den unteren Teil einer Zwischenwand, die zwei Wohnräume trennte, in einem ausreichenden Maß entfernen zu lassen, damit sich durch diese Öffnung ein Bett in seiner Länge hindurchschieben ließ; zwei Drittel des Bettes befanden sich in einem Wohnraum, das andere Drittel (Kopfseite) befand sich im anderen: ein gepolsterter Streifen wurde auf der einen Seite an den Rändern der in der Zwischenwand angebrachten Öffnung festgemacht und auf der anderen an die oberste Bettdecke genäht; auf diese Weise war es unmöglich, vom ersten Zimmer in das zweite zu sehen: nachdem diese Vorkehrungen getroffen waren, schlief der junge Kranke in diesem Bett, Kopf und Brust befanden sich so in einem Raum, der Rest des Körpers im anderen; letzterer war ständig erleuchtet und nachts von einer Vertrauensperson besetzt, die über das Bett und die Bewegungen des Kindes eine sehr aufmerksame Aufsicht ausübte.  Es war ein voller Erfolg, nach einigen Monaten war die Gesundheit zurückgekehrt, die Onaniegewohnheiten waren verschwunden.  Ich habe das gleiche Mittel in anderen Fällen und stets mit dem selben Erfolg angewandt.  Ich bräuchte im übrigen nur die von ihm selbst erzählten Eindrücke eines dieser Kranken wiederzugeben, um die Wirksamkeit dieser Maßnahme verständlich zu machen.
Wenn ich über diesen Fall mit einigen Einzelheiten berichtet habe, so deshalb, weil ich glaubte, durch diese Darstellung jene einsehbarer und einfacher zu machen, die ich von dem gleichen Mittel, angewendet in einem großen Maßstab, machen werde.

Es bedarf keiner langen Ausführungen, um die Wichtigkeit verständlich zu machen, den nächtlichen Onaniegewohnheiten vorzubeugen und sie zu verhindern.  Tatsächlich nämlich geschieht es in der Nacht, daß die Masturbanten sich aller Art von Berührungen, von unerlaubten Machenschaften hingeben, die von der Dunkelheit und dem Mangel an Aufsicht begünstigt werden; weiter trägt auch die Wärme des Bettes dazu bei, auf die Geschlechtsorgane eine gewisse Erregung auszuüben, die auf jene glühenden, auf laszive Gedanken im übrigen begierigen Vorstellungskräfte zurückwirkt.
Was ich für ein Kind getan habe, schien mir leicht für hundert zu tun, und der Vertrauensmann, der eins beaufsichtigt, hätte mit derselben Wirksamkeit einen Schlafsaal von hundert Schülern beaufsichtigt, die man in den gleichen Verhältnissen untergebracht hätte.

Ich übersende beiliegend einen Plan, der sicher hinsichtlich der Anfertigung viel zu wünschen übrig läßt, der aber, so hoffe ich, als Vorlage genügen und die Einrichtung der Schlafsäle, so wie ich sie entworfen habe, verständlich machen wird.  Ich beeile mich indessen, darauf aufmerksam zu machen, daß es keinen Saal gibt, der sich für die Änderungen, die ich vorschlage, nicht mehr oder weniger gut eignen sollte.

Jeder Schlafsaal muß aus zwei Abteilungen bestehen, voneinander getrennt durch eine Holzwand, die ungefähr zwei Meter vom Fußboden aufhören soll; am unteren Rand dieser Trennwand wird ein gepolsterter Streifen von einem Meter Breite angebracht, der die ganze Länge des Saales einnimmt; die Betten werden unterhalb von dieser Trennwand aufgestellt, so daß sie in beiden Abteilungen des Schlafsaales zugleich stehen; in der einen befindet sich der Kopf des Bettes, in der anderen befinden sich die Füße. (Ich nenne Kopf des Bettes den Teil, der dem Kopf entspricht, und Fuß des Bettes den Teil, der den Füßen des Kindes entspricht.) Der freihängende Rand des Polsterstreifens soll so ausgeschnitten werden, daß er jedes Bett in der Quere umfaßt und durch diesen Rand an der obersten Bettdecke angenäht werden, so daß es von dem Teil aus, in dem sich der Kopf befindet, unmöglich ist, in den Teil, in dem sich die Füße befinden, zu sehen: in dem letzteren wird die mit der Aufsicht betraute Person untergebracht.

Ist ein geräumiger Saal vorhanden, errichtet man in der Längsrichtung an jeder Seite des Saals eine Zwischenwand: diese beiden Zwischenwände teilen den Saal in drei Abteilungen, zwei seitliche und eine zentrale, die sich zwischen den beiden Zwischenwänden befindet.  Auf der Seite des Haupteingangs soll dieser Zwischenraum durch eine querlaufende Trennwand abgeschlossen werden, die vom Eingang ausreichend entfernt ist, um einen Vorraum zu lassen, von dem aus man die seitlichen Abteilungen und die zentrale Abteilung betritt; die letztere soll Licht und Luft erhalten, sei es durch Öffnungen, die an der Rückwand des Saals angebracht werden, oder durch Windfänge.

Die seitlichen Trennwände werden wie ich es vorgängig angegeben habe und gemäß dem Plan, den ich dieser Arbeit beigefügt habe, errichtet. Die Betten werden unterhalb der Trennwand aufgestellt, mit dem Kopf im seitlichen und den Füßen im mittleren Raumteil.  Nur ein Drittel der Länge des Bettes soll sich im ersten, zwei Drittel im zweiten befinden.  Ein Nachttisch wird neben das Bett gestellt und trennt es vom Nachbarbett; dieser soll ebenfalls vom unteren Rand der gepolsterten Zwischenwand umfaßt werden, oder besser noch sollte die letztere ihn um einige Zentimeter überragen; diese Tische sollten von zwei Seiten offen sein, damit sie von beiden Abteilungen des Schlafsaales aus erkundet werden können.
Durch diese Anordnung kommen die Schüler zum Schlafengehen in den seitlichen Abteilungen an, die während des Restes der Nacht nicht mehr beleuchtet oder beaufsichtigt werden müssen.  Das Kind legt sich in sein Bett, der Kopf und der Oberkörper befinden sich im ersten und der übrige Körper im zweiten Abschnitt, der die ganze Nacht über erleuchtet bleibt und in welchem eine mit der Aufsicht betraute Vertrauensperson untergebracht wird. Diese Aufsicht kann, ohne die Nachtruhe der Kinder im geringsten zu beeinträchtigen, von einem einzigen Mann über mehr als hundert Betten ausgeübt werden.  Ferner erlaubt diese Anordnung, die Schüler auf frischer Tat zu ertappen, die sich schuldigen Handlungen hingeben sollten, die Gespräche mitzuhören, die von einem Bett zum anderen entstehen könnten, sowohl verdächtige Bewegungen als auch ungesunde und unanständige Stellungen im Bett festzustellen und zu unterbinden, sich zu versichern, daß die Kinder ihre Betten nicht verlassen, um mit einem Kameraden zu gehen, daß, wenn sie aufstehen, um ihre Notdurft zu verrichten, sie sich keiner schlechten Tat hingeben; und im übrigen befinden sich die Schüler, da sie die Person, die sie beaufsichtigt, nicht sehen können, in der ständigen Furcht, bei der geringsten Abweichung überrascht zu werden. Die ausgemachten Schuldigen sollten Gegenstand einer besonderen Maßnahme sein, und die Verdächtigen werden, ohne daß man sie zusammenlegt, ebenfalls einer besonderen Aufmerksamkeit unterliegen.

Es gibt Kinder, die die strengste Aufsicht von ihren verhängnisvollen Gewohnheiten nicht abbringen kann.  So hielt ich es für nützlich, Strafschlafsäle beziehungsweise Strafbetten zu entwerfen, deren allgemeine Anordnung sich von der der gewöhnlichen Betten wenig unterscheidet.  Nur wird der Rand der Polsterwand nicht an der obersten Bettdecke angenäht, sondern am Gestell des Bettes selbst befestigt; dieses ist in Wirklichkeit sogar in zwei Abschnitte geteilt; die über dem Bett verlaufende Wand weist eine kreisförmige Öffnung von dreißig bis fünfunddreißig Zentimetern auf, die im übrigen je nach Bedarf verbreitert oder verengt werden kann.  Der Körper des Schülers gelangt in diese Öffnung, die man genügend zusammenzieht, damit die Arme nicht über die Trennwand hinaus, wo der Rest des Körpers untergebracht ist, durchgeschoben werden können.  Jeder Teil des Bettes wird mit einem Betttuch und den nötigen Decken versehen.  Ich denke, daß man auf dieses letzte Verfahren selten wird zurückgreifen müssen, außer zur Strafe oder als Disziplinarmaßnahme.

Abgesehen von den Vorteilen, die ich bereits genannt habe, bietet diese Änderung der Schlafsäle noch weitere in bezug auf die Gesundheitspflege:
1) Im Winter könnte der Abschnitt, der die Fußenden der Betten enthält, mit Hilfe von Öfen oder Heizkörpern beheizt werden, so daß von einem beträchtlichen Gewicht an Bettdecken abgesehen werden könnte;
2)  Da alle Betten gerollt oder geschoben werden können, um in denselben Abschnitt getan zu werden, wird der Staub, der Geruch von schmutziger Wäsche, von Schweiß, Transpiration oder Urin nur in diesem Teil spürbar, während der Abschnitt, der die Kopfenden der Betten enthält, von allen diesen gesundheitsschädlichen Ausdünstungen frei bleibt, und die Luft, die den Kindern zur Atmung dienen soll, wird von keinem ungesunden Element verpestet.

Ich hätte nicht daran gedacht, die Anwendung dieser Maßnahme vorzuschlagen, oder ich hätte mich zumindest von selbst davon abgewendet, wenn sie mir schwierig erschienen wäre und wenn sie beträchtliche Ausgaben erfordert hätte, zum Beispiel wenn neue Konstruktionen errichtet, neues Bettmaterial angeschafft oder nur zahlreiche Veränderungen hätten vorgenommen werden müssen.

Wie ich schon erwähnt habe, gibt es keinen Saal, der sich nicht für die von mir vorgeschlagenen Änderungen mehr oder minder eignet: alle Betten können so, wie sie sind, mit ihrem gesamten Zubehör benutzt werden; die Nachttische scheinen mir nützlich, aber nicht unentbehrlich zu sein. Das Personal jeder Anstalt scheint mir ausreichend, um die Aufsicht auf wirksame Weise auszuüben. Allein die Beleuchtungs- und Heizkosten würden etwas erhöht. Tatsächlich besteht die einzige Ausgabe, die in Betracht gezogen werden muß, in der Errichtung der Trennwände."
 

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Zit. n. Jean-Paul Aron u. Roger Kempf, Der sittliche Verfall, Frankfurt 1982, S. 155ff. Zurück zum Kapitel Sexualität in der Revolution