Man schätzt, dass weltweit 130 Millionen Frauen beschnitten sind, ca. 2 Millionen kommen jährlich hinzu. In Äthiopien, Eritrea und Gambia werden noch heute 90% aller Frauen beschnitten, üblich ist die Beschneidung aber auch in Brasilien, auf den Philippinen, in Indonesien, Malaysia und Pakistan. Die Verstümmelung reicht von der Entfernung der Klitorisvorhaut (milde Sunna) über die Entfernung der Klitoris selbst (modifizierte Sunna) und der inneren Schamlippen (Clitoridectomie) bis zum Vernähen der äußeren Schamlippen mit Ausnahme einer winzigen Öffnung für Urin und Blut.

Gegen die Annahme, die Beschneidung von Frauen sei hygienisch oder bevölkerungspolitisch begründbar (Geburtenkontrolle in wasserarmen Gebieten) sprechen vor allem zwei Beobachtungen:
1.) Schon bei den Ägyptern und Römern wurde sozial differenziert beschnitten. Durch die Klitorisbeschneidung  erhielten Frauen einen höheren sozialen Rang, nur sie durften in Ägypten heiraten, erben, eine Moschee betreten. Beschnitten und vernäht wurden Sklavenmädchen (da sie als Jungfrauen einen höheren Preis brachten).
2.)  Innerhalb einer Region handhaben verschiedene Stämme die Beschneidung sehr unterschiedlich, obwohl sie unter den selben Bedingungen leben.

Die Klitorisbeschneidung, viel älter als der Islam, läßt sich auch nicht religiös rechtfertigen. Mohammed, der weder seine Frauen noch seine Töchter beschneiden ließ, soll zu einer Beschneiderin gesagt haben: „Wenn du diese Operation ausführst, entferne nicht den ganzen Kitzler ... Die Frau soll Befriedigung erleben, von der ja auch ihr Mann profitiert.“

Eine Ahnung der auch multikulturell nicht zu rechtfertigenden Brutalität dieser Verstümmelung vermittelt die Schilderung einer somalischen Beschneidungszeremonie durch Marielouise Janssen-Jurreit (nach Jacques Lantier, "La Cité Magique en Afrique Noire"):

"Die Beschneidung wird von der Mutter und deren weiblichen Verwandten vorgenommen. Der Vater des jungen Mädchens muß draußen als symbolischer Wächter vor der Tür stehen bleiben.

Das junge Mädchen sitzt auf einem kaum gereinigten Stuhl, und mehrere Frauen halten es fest. Dann blättert eine der alten Frauen die Schamlippen auseinander und befestigt sie seitlich mit Dornen, um die Klitoris völlig freizulegen. Mit einem Küchenmesser schneidet sie das Haupt der Klitoris ab und beginnt sie dann herauszuschneiden. Während einer der Frauen das Blut fortwährend fortwischt, gräbt die Mutter mit dem Finger unter die eingeschnittene Klitoris, um das Organ herauszulösen. Das Mädchen schreit entsetzlich, ohne daß ihren Schmerzen geringste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wenn die Mutter die Klitoris herausgerissen hat, geht sie daran, die Reste bis zum Knochen wegzuschneiden und die umliegenden Teile der Schamlippen zu entfernen. Dann wühlt sie mit dem Finger in der blutenden Wunde. Die anderen Teilnehmerinnen der Operation befühlen ebenfalls das blutende Loch, um festzustellen, daß alles Gewebe entfernt und nichts übriggeblieben ist.

Da das kleine Mädchen wirr zappelt vor Schmerz, wird bei der Operation öfter das Rectum verletzt oder auch die Harnröhre angeschnitten.

Nun folgt der zweite Teil der Tortur, bei dem die Mutter die inneren Schamlippen total wegschneidet und Fleisch und Haut von den großen Schamlippen wegkratzt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Mädchen schon mehrere Male ohnmächtig geworden und wird mit einem Pulver wiederbelebt. Die Nachbarinnen begutachten sorgfältig die Arbeit der Mutter und spornen sie an.
Manchmal beißt sich das Mädchen in rasenden Schmerzen die Zunge ab. Deswegen beobachtet eine Frau sorgfältig die Mundpartie des Kindes. Wenn die Zunge herauskommt, streut sie Pfeffer darauf, was ein sofortiges Zurückziehen der Zunge bewirkt.

Wenn die Operation vorbei ist, heftet die Mutter die beiden Seiten der Vulva zusammen, wozu sie Akaziendornen verwendet. Ihr Hauptziel ist es, eine so winzige Öffnung herzustellen, daß gerade der Austritt von Urin und Menstruationsblut möglich ist. Je kleiner das künstliche Loch ist, desto größer der Wert der Frau." Marielouise Janssen-Jureit, Sexismus, München 1976,  S. 546f.
 

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Noch 1982 starben allein in Kenia 14 Mädchen an den Folgen der Beschneidung. Präsident Moi verbot daraufhin die Beschneidung von Mädchen - ausdrücklich auch allen katholischen und protestantischen Missionskrankenhäusern.  Die eher konservative Freud-Schülerin Marie Bonaparte warnte jedoch vor zu billiger Empörung: "Ich glaube, daß die rituellen sexuellen Verstümmelungen, die afrikanischen Frauen seit unvordenklichen Zeiten angetan werden ... das exakte körperliche Gegenstück der psychischen Entwicklung ist, die während der Kindheit der Sexualität europäischer kleiner Mädchen zugefügt werden." 
Nach vielen Mythen (u.a. der australischen Ureinwohner) ging das Gebot der Beschneidung von Frauen aus. Nigel Davies, Weltgarten der Lüste, Düsseldorf 1985, S. 55
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