Fastnachtspiel Eine Ehescheidung (1529)

Der Pedell
Hört zu alle, arm und reich,
Frauen und Männer, alle gleich!
Der an seim Weib ein Mangel hat
In der Bettstatt früh oder spat,
Der ein Weib hat, die alltag kreißt,
Und unter der Decken sich übel weist
Und den Mann nit gern läßt überhangen,
Der mag von Stund' an jetzt herkommen
Und dem Richter das zeigen an,
Der sich auf solches wohl verstehen kann.
Oder wenn die Frau hat einen Mann so krank
Hinter dem Ofen auf der Bank
Und die Frau des Bettfutters nicht geraten woll,
Dieselbe Frau, die mag und soll
Das dem Richter sagen,
Was sie über den Mann hat zu klagen.

Die Frau klagt
Seid gegrüßt, lieber Herre mein,
Laßt euch mein Kummer geklaget sein
Ober meinen viel alten Mann,
Bei dem ich keinen guten Tag nie gewann.
Er hustet und kreißt in ein und aus
Und laßt mir keine Ruh' im Haus,
Ich hab kein Freud, nicht Nacht nicht Tag.
So, lieber Herr Richter, vernehmt mein Klag!
Er tut nicht wie ein andrer Mann,
Vergönnt mir zu keim Tanz zu gahn -
Deß ist mein Mann von mir gezeit;
Ich bitt, daß Ihr mich von ihm scheid't.

Der Richter
Guter Mann, tritt herzu,
Auf diese Klag deine Antwort tu:
Ist dem so, wie sie von dir sagt
Und sie dich jetzt hier hat verklagt?

Der Mann
Herr Richter, ich sag's so gut ich kann.
Es ist wahr, ich bin ein alter Mann,
Ich leb nit so in Saus und Braus
Und helf mich recht und schlecht im Haus.
Wenn ich bei ihr wär gern gelegen
Und hätt die Freud mit ihr wollen pflegen,
So stellt sie sich als wollt s' mich haun
Und tut mit Fleiß nicht nach mir schaun
Und ich weiß nit um wie und was.
Und dreht sich um, zeigt mir den Ars.
Und weil ich mir aus dem nichts mach,
Herr Richter, so bedenkt die Sach:
Wenn sie begehrt von mir zu scheiden,
So vergönnt's uns, Herr, allen beiden.

Der Richter
Guter Mann und armer Knecht
Ich will erst fragen das Recht.
Ihr Herrn und Meister alle vier,
Was gedenket ihr?

Meister von Schwaben
Ich bin Meister Enzian von Schwaben,
Der Ritt hat mich zu dieser Sach hergetragen.
Ich erkenn' der Frauen Gebrechen wohl,
Einen jüngern Mann sie haben woll;
Aber man soll sie darum nicht scheiden,
Man hör denn größre Klag von beiden.

Meister Arnold
So bin ich Meister Arnold genannt,
Der Bischoff von Kropfing hat mich hergesandt.
Ich hab's in manchen Büchern g'lesen
Und bin auch oft dabei gewesen,
Warum man ein Ehevolk scheiden soll.
Es wissen es auch die Alten wohl:
Welche Frau nicht spinnen kann,
Und einen hat, der nit mag sein ein Mann,
Oder ein Weib, die keine Fud nit hat
Oder einen, dem sein Zers nit staht,
Die soll man scheiden zu aller Frist,
Weil das keine rechte Eh' nit ist.

Meister Leupold
Meister Leupold bin ich von Wien,
Der Sachen bin ich ganz wohl inn':
Woll'n sie nit andre Ursach vorbringen,
So soll keins von dem Rechten dringen.

Meister Gangolf
Meister Gangolf bin ich genannt,
Das geistlich Recht ist mir wohl bekannt.
Ich rat euch wohl ohn allen Haß:
Lieber Herr, verhört sie baß,
Ob nicht noch eine größre Klag
Eins über das andere noch hab.

Der Richter
Wo seid ihr, Frau und euer Mann?
Liegt euch kein größrer Kummer an
Oder habt ihr etwas mehr zu klagen,
So tut man euch das Urteil sagen
Hier vor Rittern und vor Knechten,
Ob ich euch scheiden soll in Rechten.

Die Frau
Herr, laßt mich Euch empfohlen sein
Und sprecht mich nimmer meinem Manne ein.
So will ich erst die rechten Brocken sagen,
Was ich über meinen Mann hab zu klagen.
Er trägt mir das bare Bettfutter aus,
Das ich wohl selber möcht im Haus.
Ich mußt im Haus so Mangel leiden,
Wann er andern Frauen tut aufschneiden.
Er will mir nur die leeren Säck anhenken
Und tut mich damit schimpflich krenken,
Und ich hab was eine Frau haben soll
Und tut mir's Riffeln auch noch wohl.
Ich hab ihm das noch nie verziehen,
Zwar, ich will nimmer bei ihm liegen,
Er hat ein Trumm, das ist zu klein,
Drum ich ihm auch nicht gut mag sein.

Der Mann
Ich antwort als ein biedrer Mann.
Mein Esel tut mir hangend stahn.
Sie macht sich allweg krank und schwach,
So denk ich mir, nun hab gemach,
Und so ich dann zu einer andern geh,
So treibt sie nur das Schimpfen mehr
Und spricht, ich hab zu kurz und klein,
Zwar, es soll ihr nimmermehr gut sein,
Daß du so Schand tust auf mich liegen
Und tust mich allzusehr betrüben.
Ich hab ein Trumm wie ein Schlegelstiel,
Daran sie doch nit gnug haben will.

Die Frau
Er sagt von Schlegelstiel oder Stangen
Und kann mir doch nit durch die Stauden langen,
Daß er mir die Mutter möcht erreichen,
Sicher, Herr, er tut Euch leichen.

Der Mann
Sie tut mir unrecht mit Gewald
Ich bin ihr oft g'fahren durch den Wald,
Schier gar zum End der Welt hinein,
Drum, Weib, laß deine Lügen sein!

Der Richter
So richt ich zu Recht auf eurer Frauen,
Daß man dich soll beschauen
Allhier vor den geschwornen Weiben,
Ob du wohl kannst schießen nach der Scheiben,
Ob du zu groß hast oder zu klein,
Was dir da hanget zwischen die Bein.
Ihr Frauen, geht her zu dem Mann,
Seht, ob er einen Bruch hat an,
Und tut uns die Wahrheit kund,
Ob er mag streiten bis an den Grund
Mit seiner Zuberstangen.
Schaut, ob er hat ein zu kurzen oder langen,
Denn die Frau tut über ihn klagen.
Beseht ihn wohl und tut uns sagen,
Wie's mit ihm sei.
Führt ihn hinauf ins Heu
Oder wo es sonst euch recht ist,
Und schaut, ob das Ding gut oder schlecht ist.

Eine geschworene Hebamm
Herr, wir tun nach Euerm Gefallen
Und beschauen ihn allenthalben.
Guter Mann, nit schäm dich sehr,
Setz auf den Stuhl dich her
Und heb vornen auf dein Gewändel;
Hast einen Bruch, so mach auf das Bän-del,
Damit wir sehen an der Stat,
Was dir Gott gegeben hat.
Nun tu voneinander deine Bein,
Laß sehn, ob du zu groß hast oder klein,
Damit wir deß ein Urkund wissen -
Puh, du hast ins Hemd geschissen!

Die andere Hebamm
Schau her, Gevatterin, wie gefällt er dir?
Mir genüget an einem solchen schier;
Wann er ein wenig bei Kräften wär,
Deucht mich, es käm eine nit gar leer.

Die erste Hebamm
Mich dünkt ganz im Sinne mein,
Er sollt was größer und länger sein.
Wir wollen dem Richter sagen,
Sein Weib mag sich nit damit behagen,
Dann so wird er fragen um
Die Meister all in einer Summ',
Wie groß und lang einer haben soll,
Der seiner Getraut zu pflegen woll. -
Herr, ich gab Euch Zeugnis wahr:
Er ist zu klein und sitzt im Haar.

Der Mann
Ihr Herrn, der Weiber Red ist Lug und Mar!
Sie warn mir immer gram und g'fahr!
Nun sag ich auch an dieser Stell,
Was mir an meinem Weib da fehlt:
Sie hat keine Tutten nit am Herzen,
Drum g'lüst mich nit, mit ihr zu scherzen,
Und hat ein Fud, mir viel zu weit,
Daß es mich gar nit in ihr leid't.
Nun habt die Klag ihr von uns beiden
So wißt ihr wohl uns nun zu scheiden.

Der Richter
Ich will nun des Rechtes fragen:
Ihr gelehrten Herrn, tut davon sagen,
Wie lang und groß der Stumpf soll sein,
Der einer Frau genug mag sein.

Meister von Schwaben
Ich Meister von Poppfing aus Schwaben,
Wie groß ein Mann ein Zagl soll haben,
Indem ich les noch immer mehr,
Ulrice, trag mir das Buch davon her.

Ulricus
Meister, ich bin lang aufgewesen
Und hab alle Bücher überlesen,
Ich find keines von der Eh,
Seht, ob's in dem geschrieben steh.

Meister von Schwaben
Es hilft nit, wie lang ich auch such,
Ich find kein Fud in diesem Buch.
Ich weiß es aber aus einem Vers,
Der sagt von der Fud und von dem Zers,
Der soll durch's Haar wohl langen,
Eine Weil stehn und danach hangen.
Neun Daumen soll er der Läng nach haben,
Das ist recht in Bayern und in Schwaben.

Meister Arnold
Meister Arnold bin ich genannt.
ich hab gehört, im Niederland
Da hab man lieb die langen und großen,
Die mögen gar wohl schieben und stoßen.
Drum sag ich bei meinem Eid,
Daß man sie beid' von einander scheid'.

Meister Leupold
Hat sie zu weit und er zu klein,
Was ihm da hanget zwischen die Bein,
So scheid sie ein' vom andern -
Zieh sie gen Bruck, zieh er gen Flandern.

Die Frau
Liebe Herren, seid auf meiner Seiten.
Wollt ihr sein verschwiegen,
So wollt ich heut bei euch einem liegen,
So würd er inne, was ich könnt',
Zu sagen es sich da nit ziemt.

Der Mann
Einen Gulden will ich euch schenken,
Drum tut mein auch gedenken
Und scheidet mich von meinem Weib,
Es gelt recht: Seel oder Leib.

Precursor
So, frommer Herr Richter, scheid't diese Leut!
Er hat zu klein und sie zu weit.
Sprecht sie voneinander behend,
Nit daß eins das andre mehr schend'.
Es ist ein Spott da vor Jungfrauen,
Daß man die Männer soll beschauen.
Warum beschaut man nit die Weib?
Es ist oft seltsam um ihren Leib
Und könnt einem oft die Fud verleiten.
Drum tut sie voneinander scheiden.

Der Richter
Nun geh herfür, du armer Mann!
Dein Sach du anders sollst richten an.
Frau, geh du auch da her zu mir!
Die Meister und ich da alle vier
Haben zu Urteil und Recht erkannt:
Zu vermeiden größer Laster und Schand
Sei eure Eh fortan ganz ab.
Du, Mann, nimm dir eine, die eine enge hab.
Frau, sucht euch euern Genossen,
Habt ihr zu weit, so nehmt einen großen.
Das erlaub ich euch allen beiden -
Damit tu ich euch voneinander scheiden.
 

Zurück zum Kapitel Die neue Lust
Zit. n. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909), Bd. 4, S. 27ff. Zurück zum Kapitel Die neue Lust