Im Weissen Rosendorn, einem Text vom Ende des 15. Jh., streiten eine Frau und ihre Fut darüber, weswegen sich Mäner für die Frau interessieren. Die Fut behauptet, das geschehe nur ihretwegen, die Frau meint, die Fut spiele dabei überhaupt keine Rolle. Im Zorn trennen sie sich. Die Frau muss alsbald erfahren, dass sie nur mehr als die „Futlose“ verspottet wird, die Fut erlebt, dass sie als hässliche Kröte beschimpft wird. Also beschließen beide, sich wieder zu vereinigen. Ein Freund soll helfen, künftigen Streit zu vermeiden:

„Zu Hand sandte sie nach mir,
Und sprach: »Nun gib mir deinen Rat;
Mein Ding mir kümmerlichen staht:
Mein Fut war mir entronnen,
Die hab ich wieder gewonnen;
Deiner Lehre bedarf ich dazu,
Wie ich meinen Dingen tu,
Daß ich den Männern beibringen kann,
Daß ich meine Fut wieder han.
Und lehre mich sie wohl behalten,
Wenn du kannst sein walten,
Daß ich sie mög behalten mit Sinne,
Und sie mir nicht mehr entrinne.«
Da riet ich dem schönen Weib,
Daß sie die Fut zu dem Leib
Viel feste nageln hieße,
Und dies nicht unterließe.
Da bat mich die Stäte,
(Daß ich ihr das täte.)
Da tat ich, des sie mich bat:
Hin wieder an die alte Statt
Setzt die Fut, so gut ich kunnt,
Einen Nagel so zur Stund'
Ich viel feste dadurch treibe,
Daß die Fut immer drin bleibe.
Also rat ich jeglichem Mann,
Der ein liebes Weib gewann,
Daß er seinem Weibe,
Nagle die Fut zu dem Leibe,
Daß ihr die Fut nicht entrinne,
Oder er ist verlustig seiner Minne."
 

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Zit. n.Heinz Ludwig Arnold, Komm. Zieh dich aus. Das Handbuch der lyrischen Hocherotik deutscher Zunge, Zürich 1991, S. 33f. Zurück zum Kapitel Die neue Lust