Die neue Lust im alten Gewand
Noch im späten Mittelalter galt den Menschen nur eine Form des Sexualverhaltens als tatsächlich sexuell: Der Koitus unter Erwachsenen. So war die Masturbation nur ein Mittel, sich von körperlichen Spannungen zu befreien. Der Arzt Arnold von Villanova (1235 - 1312) hielt es sogar für ein Gebot der Hygiene, verdorbenen Samen, der nach langer Enthaltsamkeit giftig geworden sein könnte, durch Masturbieren aus dem Körper zu entfernen. Jos van Ussel, Sexualunterdrückung. Geschichte der Sexualfeindschaft, Gießen 1977,  S. 136 Eltern, Dienstboten, Ammen masturbierten - wie heute noch die Hopi-Indianer E. J. Haeberle, Die Sexualität des Menschen, Berlin 1985,  S. 169. - Kleinkinder, um sie zu erfreuen oder zu beruhigen. Auch Nacktheit war nicht sexuell besetzt. Man schlief nackt - auch mit Fremden - in einem Raum, badete nackt im Badehaus Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 1, S. 441 , wohin man fast nackt durch die Straßen gelaufen war. Norbert Elias, Über den Prozeß der Zivilisation, Berlin 1969,  S. 223 Mächtige Fürsten wie Ludwig XI. 1461 in Paris, Karl der Kühne 1468 in Lille oder Karl V. 1520 in Antwerpen wurden auf Geheiß der Stadtväter von nackten Jungfrauen begrüßt. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 1, S. 155 Schlafzimmer im 15. Jh.

Onanierender Bauer, 16. Jh.

Die Männerkleidung, aber auch Priesterrröcke verdeckten kaum das Geschlecht G. R. Taylor, Im Garten der Lüste, Frankfurt 1970,  S. 31 , die freizügig-prahlerische Mode war so beliebt, dass z. B. der Rat der Stadt Bern sein Verbot von Miniröcken für Männer, die nicht einmal das Geschlecht verbargen, immer wieder erneuern musste: 1476, 1478, 1481, 1486, 1487... Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909), Bd.1, S.183 Frauen trugen bis ins 19. Jahrhundert keine Unterwäsche Anm., und wer bei einer Geselligkeit einer Frau an den Busen fasste, machte sich keines Sexualvergehens schuldig, sondern erwies ihr damit nur die gebührende Huldigung. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909), Bd.1, S.251 Primäre wie sekundäre Geschlechtsmerkmale wurden als Teile des Menschen empfunden, die nicht von der Person getrennt werden können, deren man sich aber auch nicht schämte. Im „Weissen Rosendorn“, einem Text vom Ende des 15. Jh., streiten eine Frau und ihre Fut darüber, weswegen sich Männer für die Frau interessieren. Die Fut behauptet, das geschehe nur ihretwegen, die Frau meint, die Fut spiele dabei überhaupt keine Rolle. Im Zorn trennen sie sich. Die Frau muss alsbald erfahren, dass sie nur mehr als die „Futlose“ verspottet wird, die Fut erlebt, dass sie als hässliche Kröte beschimpft wird. Also beschließen beide, sich wieder zu vereinigen. Heinz Ludwig Arnold, Komm. Zieh dich aus. Das Handbuch der lyrischen Hocherotik deutscher Zunge, Zürich 1991, S. 33f.Text Frau ohne Unterhose, Kalendervignette, 16. Jh.
Mit der Renaissance, dem Ende des Sklavenhandels, der Überwindung der Naturalwirtschaft und dem Entstehen der Geldwirtschaft gewinnt die Sexualität - zuerst in Italien - an Fröhlichkeit. Noch sieht Boccaccio in der unzüchtigsten Erzählung des Decamerone („Wie man den Teufel in die Hölle schickt“) die Vagina als Hölle, aber bis am Ende des 15. Jahrhunderts der christliche Fundamentalist Savanarola das Buch in die Flammen des Scheiterhaufens werfen und Papst Paul IV. 1559 es auf den Index setzen wird, können die Menschen lesen: "Die Natur hat nichts umsonst geschaffen, und sie hat uns auch diese edlen Teile verliehen, damit wir davon Gebrauch machen, nicht um sie müßig ruhen zu lassen." Zit. n. Richard Lewinsohn (Morus), Eine Weltgeschichte der Sexualität, Hamburg 1956, S.146 Denn: "Der Nichtgebrauch kann dieser Körperpartie großen Schaden zufügen und Hysterie erzeugen, woran manche schöne Frauen zugrunde gehen. Das beste Mittel dagegen, sagen die Ärzte, ist die fleischliche Beiwohnung, und zwar seitens kräftiger und wohlgebauter Männer" Zit. n. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 1, S. 198
Der neue Ton war frech, ehrlich, ungekünstelt. Sacchetti überliefert einen Ehekrach zwischen einem Sieneser Kruzifixmaler und seiner untreuen Ehefrau:
"Er: Du verdammtes Flittchen! Mir wirfst Du vor, ich sei ein Säufer, und Du selber hast nichts besseres zu tun, als Deinen Kerl ausgerechnet hinter meinen Kreuzen zu verstecken!
Sie: Sagst Du was zu mir?
Er: Nein, zu einem Haufen Eselscheiße.
Sie: Was Besseres hast Du auch nicht verdient.
Er: Miststück. Ich weiß wirklich nicht, warum ich Dir nicht diesen Schürhaken in Dein verdammtes Loch stoße!
Sie: Rühr mich nicht an - beim Kreuz Gottes. Wenn Du mir was antust, dafür wirst Du zahlen, bis Du schwarz bist.
Er: Du Drecksau - Du und Dein Beschäler da!
Sie: Verflucht, wer seine Tochter zwingt, einen Maler zu heiraten." Philippe Ariès und Georges Duby, Geschichte des privaten Lebens, Frankfurt 1989,  Bd. 2, S. 252
Badeszene ohne Scham, 16. Jh.

Mann fasst Frau unter den Rock, Detail aus Der Monat April, Francesco del Cossa, 1470

Glaubt man italienischen Renaissanceautoren, ging der Mann mit Hemdärmeln ins Bett, die Frau trug ein leichtes Hemd. Unter Liebesgeflüster berührten, streichelten, stimulierten sie sich, vor allem die maximale Erregung der Frau war wichtig für eine komplikationslose Schwangerschaft und reichen Kindersegen. Der Geschlechtsakt war keineswegs phantasielos. Boccaccios Narr Calendrino beschwert sich bei seiner Frau: "Du willst immer nur oben liegen." Philippe Ariès und Georges Duby, Geschichte des privaten Lebens, Frankfurt 1989,  Bd. 2, S. 212 Auch Analverkehr war in der Toscana so weit verbreitet, dass sich Antonius von Florenz in seinen Predigten genötigt sah, Mädchen über die Verwerflichkeit des Analverkehrs aufzuklären. Philippe Ariès und Georges Duby, Geschichte des privaten Lebens, Frankfurt 1989,  Bd. 2, S. 550Anm. Und Francesco Poggio berichtet „Von einem Dummkopf, der glaubte, seine Frau habe zwei Scheiden“: „Ein Bauer aus unserer Gegend, ein dummer Teufel, der namentlich in Sachen des Beischlafs unerfahren war, verheiratete sich. Da geschah es eines Nachts, dass seine Frau ihm im Bett den Rücken zuwandte, so dass ihr Hinterer in seinem Schoß zu ruhen kam. Er hatte seine Waffe bereit, ging zum Angriff über und traf zufällig ins Ziel. Verwundert über diesen Erfolg fragte er seine Gattin, ob sie denn zwei Scheiden hätte. Und als sie bejahte, rief er: "Hoho! Ich bin mit einer zufrieden, die andere ist ganz überflüssig." Darauf meinte die geriebene Frau, die es mit dem Pfarrer hatte: "Dann können wir die zweite ja als Almosen hergeben; schenken wir sie doch der Kirche und unserm Pfarrer. Er wird sich sehr darüber freuen, und dir wird es nichts ausmachen, da du ja an einer genug hast". Der Mann war damit einverstanden, teils dem Pfarrer zuliebe, teils um sich die unnötige Last vom Halse zu schaffen. Man lud also den Seelsorger zur Abendmahlzeit ein, setzte ihm die Sache auseinander, aß sich satt, und dann ging's zu dritt ins Bett, und zwar so, dass die Frau in die Mitte zu liegen kam, und der Mann sich vorn, der Priester aber hinten seines Anteils erfreuen konnte. Der Priester, ausgehungert und gierig auf den ersehnten Leckerbissen, wie er war, ging auf seiner Seite zuerst zum Angriff über, den die Frau mit leisem Geflüster und einem gewissen Geräusch beantwortete. "He! alter Freund!" rief da der Mann, besorgt, der Pfarrer möchte ihm ins Gehege kommen, "pass auf die Verträge, halt dich an deinen Anteil und lass den meinen ungeschoren!" "Da sei Gott vor!" antwortete der Priester, "ich mache mir gar nichts aus deinem Besitz, stehen mir doch die Güter der Kirche zur Verfügung." Durch diese Worte ließ sich der dumme Bauer beruhigen und forderte den Pfarrer auf, sich nach Gutdünken des Anteils der Kirche zu bedienen.“ Zit. n. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909), Bd. 4, S. 114 Coitus a tergo, Peru 15. Jh.

Freizügiger Austausch von Zärtlichkeiten, Spanien, 1545

Da Priester und Mönche als Sexualathleten galten, nannte man ihnen zu Ehren den Koitus Psalm. Wollte die Frau ein Kind, sollte sie nach dem gemeinsamen Rezitieren eines Psalms ganz ruhig liegenbleiben, da jede Bewegung, und sei es nur ein Niesen, die Schwangerschaft verhindere, wenn der Samen aus seinem Behältnis geschleudert werde. Philippe Ariès und Georges Duby, Geschichte des privaten Lebens, Frankfurt 1989,  Bd. 2, S. 212
In den schlecht beleuchteten Spinn- und Rockstuben Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 1, S. 436 und unter den engen Wohnverhältnissen vor allem auf dem Land ging es einfacher zu, die meisten Sexualakte würden wir heute als Vergewaltigungen bezeichnen, aber die Menschen - Männer wie Frauen - empfanden sie nicht so Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 1, S. 307, s. a. Albert Moll, Handbuch der Sexualwissenschaft, Leipzig 1921, S. 220 , denn die Würde des Menschen lag noch nicht in seinem Geschlecht.
Sogar die Prostitution wurde in der Renaissance frei von Schmutz und Unterdrückung zu einer von der Obrigkeit geregelten Dienstleistung. So musste sich der Wirt des Frauenhauses zu Ulm gegenüber dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt verpflichten: "Zu andern, so soll Er schwören, das Frauenhaus wesentlichen zu halten, und dasselbige mit tauglichen, saubern und gesunden Frauen nach Notturft und Gestalt des Wesens, hie zu Ulm, zu fürsehn, und zu keiner Zeit unter vierzehn Frauen nicht zu haben, es begeb sich denn, dass Ihm eine oder mehr Krankheit oder anderer sachen halb, aus dem Haus komme, dieselben soll er dann, in einem Monat dem nächsten mit ander oder andern geschikten, saubern und gesunden Frauen zu ersetzen und zu erstatten schuldig und verbunden sein ungefärlich, damit am mindesten an der obbemelten Anzal der viertzehn Frau nicht Abgangk oder Mangel werde." Zit. n. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd.1, S. 423
Bauernkirchweih, 16. Jh.

Bäuerliches Fest, 16. Jh.

Leben und Lieben der Armen. Aus Decameron, Psolini, 1970

Im Frauenhaus (Bordell), 15. Jh.

In der Toscana hatten alle größeren, in Ligurien auch Kleinstädte ihre Prostituierten in Badehäusern, Privatbordellen oder im „grande Maison“, dem Stadtbordell. In Tarascon kamen im 15. Jh. auf 5-600 Familien 10 städtische Prostituierte, Dijon, das damals weniger als 10 000 Einwohner hatte, zählte über 100 Dirnen. Jacques Rossiaud, Dame Venus, München 1994, S. 18 Sie bildeten in der städtischen Gesellschaft keine Randgruppe, sondern erfüllten eine wichtige Aufgabe Jacques Rossiaud, Dame Venus, München 1994, S. 49 oder - wie es Thomas von Chabham, Kanoniker von Notre-Dame, formulierte: „Sie vermieten ihren Körper und leisten daher Arbeit.“Jacques Rossiaud, Dame Venus, München 1994, S. 105
Nicht nur für junge Männer war der Besuch bei einer Prostituierten üblich Jacques Rossiaud, Dame Venus, München 1994, S. 49 , in Dijon z. B. war ungefähr jeder 5. Freier ein Geistlicher.Jacques Rossiaud, Dame Venus, München 1994, S. 55 Der sexuelle Dienst dauerte im Durchschnitt eine halbe Stunde, die Zeit wurde durch das Abbrennen von Wachskerzen gemessen, in Italien wurden Dirnen daher „Mädchen mit der Kerze“ genannt. Je nach Dienstleistung betrug ihr Lohn die Hälfte bis zum Dreifachen eines Tagesverdienstes für Frauenarbeit im Weinberg. Jacques Rossiaud, Dame Venus, München 1994, S. 239
Die Tatsache freilich, dass bis in die Mitte des 15. Jh. und später immer wieder die Vergewaltigung einer Frau mit zweifelhaftem Lebenswandel weniger verwerflich war als einer Frau von einfachem Stand Jacques Rossiaud, Dame Venus, München 1994, S. 84 , und Huren wie Juden eine besonders gekennzeichnete Kleidung tragen mussten Herrad Schenk, Frauen und Sexualität, München 1995, S. 181 und z. B. im Avignon des 13. Jh. auf dem Markt keine Lebensmittel berühren durften Jacques Rossiaud, Dame Venus, München 1994, S. 72 , relativiert den Eindruck uneingeschränkter Akzeptanz.
Die Dirne und der Jüngling, 15. Jh.
Doch das Geschäft florierte. Die Hurenhäuser waren nur zu Weihnachten und in der Karwoche geschlossen, ansonsten ruhte der Betrieb nur sonntags während des Hochamtes. Philippe Ariès u. a., Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit, Frankfurt 1986,  S. 98 Manche Stadt besaß ein städtisches Bordell, aber keine Schule. Philippe Ariès u. a., Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit, Frankfurt 1986,  S. 97 In Venedig zählte man 1565 unter 165 000 Einwohnern 10 000 Kurtisanen. Philippe Ariès und Georges Duby, Geschichte des privaten Lebens, Frankfurt 1989,  Bd. 5 S. 334 Wie in den Niederlanden Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 4, S. 167 gab es auch in Italien gedruckte Kataloge, die Eigenschaften, Namen, Anschrift und Preisforderungen von Prostituierten verzeichneten. Ein Dirnenkatalog aus Venedig nennt 1570 215 Kurtisanen, unter ihnen auch die beiden führenden Lyrikerinnen Italiens, Gaspara Stampa und Veronica Franco. Herrad Schenk, Frauen und Sexualität, München 1995, S. 183 An den meisten Orten bildeten die Huren eigene Organisationen, die heftig gegen die Unsittlichkeit ihrer Amateurkonkurrentinnen polemisierten. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 1, S. 424ff.Anm. Kurtisanen, Carpaccio, um 1500
Auch die geistlichen Herren scheuten nicht die Prostitution, über 1000 Dirnen sollen am Konzil von Konstanz mitgewirkt haben, 300 in Trient.Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 1, S. 384 Bordelle besaßen u. a. der Bischof von Straßburg, der Erzbischof von Mainz, Papst Sixtus IV., der zudem noch von jedem Geistlichen einen jährlichen Hurenzins eintreiben ließ.Paul Frischauer, Knaurs Sittengeschichte der Welt, Zürich 1969, Bd. 2,  S. 247 Mit dem Hurenzins erkaufte sich der Kleriker das Recht, sich eine Beischläferin zu halten. Ursprünglich mussten diesen Zins nur jene entrichten, die tatsächlich mit einer Konkubine zusammenlebten, Papst Sixtus IV. vereinfachte die Abrechnung durch die Annahme, dass dies bei allen Priestern und Mönchen der Fall sei. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 1, S. 361 Dirnenportät aus einem holländischen Katalog, 17. Jh.
Außer für Juden, denen jeder Geschlechtsverkehr mit einer Christenfrau unter Androhung grausamer Strafen (Abschneiden des Penis und Ausstechen eines Auges) verboten war Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd.4, S. 164 , und - zumindest ab 1527 in Ulm - für Knaben unter 14 Albert Moll, Das Sexualleben des Kindes, Berlin 1909,  S. 139  war ein Bordellbesuch nicht ehrenrührig, eher selbstverständlich. Anm. Anders als mancher Regierungschef im 20. Jahrhundert bedankte sich noch 1434 Kaiser Siegismund öffentlich beim Berner Stadtmagistrat dafür, dass er ihm und seinem Gefolge drei Tage lang das Frauenhaus unentgeltlich zur Verfügung gestellt habe. Norbert Elias, Über den Prozeß der Zivilisation, Berlin 1969,  S. 242 Entsetzt formulierte ein Bischöfliches Gericht bereits 1411 in einer Anklage gegen Adamiten das Neue an diesem Verständnis von Sexualität: "Ingleichen gibt es eine Alte ..., die öffentlich erklärte, auch außerhalb der Ehe gäbe es einen sündlosen Geschlechtsverkehr. Dieser sei eine rein natürliche Angelegenheit wie Essen und Trinken..." Fraenger, Wilhelm, Hieronymus Bosch. Das tausendjährige Reich. Amsterdam 1969, S. 38Anm.
Mit der Renaissance, dieser maternistisch-individualistischen Epoche, setzt sich die Auffassung durch, dass jeder Mensch frei in seinem Handeln sei. Berief man sich im Mittelalter auf höchste moralische Grundsätze zur Rechtfertigung grausamster Gewalt, so praktizierte die Renaissance egoistische Gewalt ohne andere Rechtfertigung als der des persönlichen Nutzens. Die Renaissance war - auch im Sexualverhalten - weniger antiautoritär als zügellos. Tatsächlich handelt es sich bei dem Freiheitsversprechen der Renaissance nur um die Freiheit des Stärkeren. Er konnte z. B. die sexuelle Untreue einer Frau, wie Brantome berichtet, barbarisch und selbstgerecht bestrafen:
Bordell. Porträts der Huren zeigen das verfügbare Angebot, Flamen, 16. Jh.

Bad, Heinrich Aldegrever, 1540

"Als ich zum erstenmal in Italien war und nach Venedig kam, wurde mir von einem albanesischen Ritter erzählt, der, seine Frau beim Ehebruch überraschend, den Liebhaber tötete. Er war wütend darüber, dass seine Frau sich nicht mit ihm begnügte, da er doch ein wackerer Ritter war, und ein Held im Reiche der Venus, der zehn bis zwölfmal des Nachts das Opfer brachte. Zur Strafe suchte er ein Dutzend tüchtiger Männer zu finden, die im Rufe standen, sehr stark begabt und feurig zu sein. Diese mietete er für Geld, sperrte sie in das Zimmer seiner Frau, die sehr schön war, und überließ sie ihnen, indem er sie bat, gut ihre Pflicht zu tun; er versprach ihnen doppelte Bezahlung, wenn sie ihre Aufgabe sehr gut erfüllten. Die Männer machten sich nacheinander ans Werk und waren so eifrig, dass die Frau dabei starb, zur großen Genugtuung ihres Gatten. Im Augenblick des Sterbens warf er ihr vor: da sie diesen süßen Trank so sehr geliebt habe, möge sie sich nun daran satt trinken. Ähnlich wie Semiramis zu Cyrus sagte, indem sie seinen Kopf in ein Gefäß voll Blut steckte. Das ist wahrlich eine schreckliche Todesart!" Zit. n. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909), Bd. 4, S. 140
Für die Reichen und Mächtigen muss das Leben das Leben im 15. und 16. Jahrhundert ein toller Spaß gewesen sein. Man betrog einander - nicht nur sexuell - nach Strich und Faden, kümmerte sich wenig um Moral. Über die Bürger Venedigs und anderer Hafenstädte spottete man, ihre Penisse müssten unvorstellbar lang sein, wenn sie sogar auf Reisen aus weiter Ferne ihre Gattinnen schwängern können. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 4, S. 121
Giulio Romano, um 1530
Aber auch der Klerus legte sich wenig Zwänge auf. Der Jesuiten-Kardinal Robert Bellarmin, 1930 heiliggesprochen, rühmte sich, über 1600 Frauen geliebt zu haben Anton-Andreas Guha, Die ungeliebte Lust, Frankfurt 1990,  S. 145Kardinal Pietro Bembo verherrlichte in seiner „Ode Priapus“ das männliche Geschlechtsorgan. Zit. bei Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909), Bd. 4, S. 264Text Sprichwörtlich wurden die Zustände in den Klöstern, und wenn das Konzil von Valencia 1565 den Gebrauch des Beichtstuhls anordnete, dann nur, um die häufigen Beichtverführungen sittsamer Hausfrauen durch ihre Beichtväter beim Hausbesuch zu verhindern G. R. Taylor, Im Garten der Lüste, Frankfurt 1970,  S. 46 , war doch der Beischlaf mit Priestern nicht nur mangels Alternativen die einfachste Möglichkeit, außereheliche Sexualität zu erleben. Philippe Ariès und Georges Duby, Geschichte des privaten Lebens, Frankfurt 1989,  Bd.2, S. 482 Derbe Rätsel und Zoten, Fastnachtsspiele Text und Novellen, aber auch lüsterne Gesellschaftsspiele Text waren das Vergnügen der gebildeten Oberschicht; wie es beim arbeitenden Volk zuging, lässt sich mangels Überlieferung nur ahnen. Mönch und Nonne, 16. Jh.
Am Beeindruckendsten aber ist die Nüchternheit, mit der man sexuelle Handlungen wortgewaltig aussprach und darstellte. Pietro Aretino, ein ebenso begnadeter Erzähler wie gemeiner Schuft, der einen guten Witz so sehr zu schätzen wusste, dass er sich beim Hören eines Witzes über seine Schwester schließlich totlachte, lässt die Kurtisane Nana aus der Schule plaudern: "Nun, um nicht für eine Heuchlerin zu gelten, so will ich Dir also sagen, dass zwei stramme Pobacken mehr vermögen, als alle Philosophen, Astrologen, Alchimisten und Nekromanten, die je auf der Welt waren. Ich probierte soviel Kräuter, wie auf zwei Wiesen wachsen, und soviel Worte, wie auf zehn Märkten geschwätzt werden, und vermochte doch nicht auch nur um Fingers Breite einen, dessen Namen ich Dir nicht nennen darf, das Herz zu rühren. Und dann machte ich ihn mit einer einzigen Bewegung meiner Hinterbäckchen so bestialisch verrückt nach mir, dass alle Bordelle ganz baff darüber waren." Zit. n. Philippe Ariès u. a., Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit, Frankfurt 1986,  S. 156Text Illustration zu den Stellungen des Aretino (von der Zensur verfolgt, weill sie Mann und Frau gleichberechtigt beim Koitus zeigen), um 1527
Clement Marot, Hofdichter Franz I., dichtet über die Ökonomie des Geschlechtsverkehrs: "Ach", sprach er, "wie viele Schulden macht man um der Liebsten Schoß! Glaubt mir, Süße, jeder Stoß kostet mich zwei blanke Gulden."
Ei, da fuhr sie zornig los: "Euer Hirn ist eingerostet, stoßt doch so oft, dass der Stoß Euch nur einen Heller kostet." Zit. n. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 4, S. 68
Wurde aus dynastischen Gründen Wert auf eine Jungfernschaft gelegt, wusste Brantome Rat: "Man kann den Mädchen auch scheinbar die Jungfernschaft wiedergeben, indem man Blutegel in die Scheide setzt, die durch das Saugen eine blutgefüllte Blase erzeugen. Diese zerplatzt dann in der Hochzeitsnacht, das Blut fließt heraus, und der Gatte ist voll Vergnügen, nicht minder die Braut, denn l´onor della citadella è salvo." Zit. n. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 4, S. 107
Engländer wünschten sich von einer Frau: "Sie solle erstlich fröhlich im Gemüt sein, sodann wohlgebildet, drittens eine breite Stirn haben, viertens breite Hinterbacken, fünftens stets auf der Hut sein, sechstens leicht zu bespringen, siebentens gut zu brauchen auf einer langen Fahrt, achtens muss sie sich fleißig unter dem Manne rühren, neuntens stets hurtig mit dem Munde sein und zehntens allzeit auf den Zaum beißen." Zit. n. Germaine Greer, der weibliche Eunuch, Frankfurt 1971,  S. 353
Renovierung eines Jungfernhäutchens, um 1700
Wie bieder hört sich dagegen die Lustregulierung Martin Luthers an: "Die Woche zwier, Der Weiber Gebühr, Schadet weder mir noch dir, Macht´s Jahr hundertundvier." Zit. n. Richard Lewinsohn (Morus), Eine Weltgeschichte der Sexualität, Hamburg 1956,  S. 158
Auch die Bildende Kunst sprengte die sakralen Grenzen des Mittelalters. Die Nacktheit wird nach Jahrhunderten wieder zum Bildthema, einen der ersten Frauenakte malt 1493 Dürer, in Italien wagt es Signorelli in seiner "Schule des Pan" eine völlig nackte Frau zwischen nackte Männer zu stellen. Giorgiones "Schlafende Venus" wirkt lebendiger, als je eine Statue, und Tizianos "Venus im Truhenzimmer", das Modell war die Herzogin von Urbino, begründet eine ganze Reihe von Aktdarstellungen berühmter, hochangesehener Frauen. Anm.
Tizian, Venus (Herzogin) von Urbino, 1538
Neben häufigen Notdurft- und Vergewaltigungsszenen - am Beliebtesten die Vergewaltigung der Lukretia - finden sich zunehmend häufiger sexuelle Anspielungen in den Bildmotiven. Jan Steens "Die Liebeskranke" wird nur verständlich, wenn man die sexuelle Doppeldeutigkeit des Klistiers und Fisches als Penissymbol kennt. Gar nicht doppeldeutig, sondern die neuzeitliche Entdeckungslust preisend ist das Bild eines gestrandeten Walfischs. Die Spaziergänger bestaunen seinen riesigen Penis, besteigen, vermessen ihn. An der holländischen Küste gestrandeter Wal, 1598
Die sexuellen Entkrampfung veränderte die Rolle der Frau außerhalb der Katholischen Kirche. Eine anonyme englische Autorin verkündete 1620: "Wir sind ebenso frei geboren wie Männer, haben die gleiche freie Möglichkeit zur Wahl und einen ebenso freien Geist, unser Körper ist aus dem gleichen Fleisch und Blut. Bei gleicher Freiheit können wir auch aus unserem Wesen Vorteile ziehen." Zit. n. E. J. Haeberle, Die Sexualität des Menschen, Berlin 1985,  S. 326 50 Jahre später wird Aphra Behn Text , die erste Berufsschriftstellerin Englands, in ihrem Stück "The Amourus Prince" sogar Sexualität auf die Bühne bringen. Anm.
Auch bei den Wissenschaftlern, diesem "Geschlecht erfinderischer Zwerge, die für alles gemietet werden können" Bertolt Brecht, Das Leben des Galilei, Frankfurt 1978, S. 537 , vollzieht sich ein Wandel. Noch finden sich überall Aberglaube und überkommene Weisheit. Ärzte raten zu kühlenden Arzneien, wenn Frauen zu viel Hitze haben und dadurch der Samen verbrennen könnte Thomas Laqueur, Auf den Leib geschrieben, Frankfurt 1992,  S. 120 , und Paracelsus verkündet immer noch die tausendjährigen Vorurteile seiner Vorgänger: "Es gibt kein Gift in der Welt, das schädlicher ist als das Menstruationsblut." Sabine Hering und Gudrun Maierhof, Die unpäßliche Frau, Pfaffenweiler 1991,  S. 18 Keuschheitsproben quälen junge Frauen: Hebt ein Mädchen einen Topf kochenden Wassers vom Herd und er hört auf zu kochen, ist sie keine Jungfrau mehr. Eduard Fuchs, Illustrierte Sittengeschichte, München (1909),  Bd. 4, S. 108
Frauenporträt, Leonardo da Vinci, ca. 1490
Vom Koitus während der Nacht wird abgeraten, es könnten blinde Kinder gezeugt werden Jos van Ussel, Sexualunterdrückung. Geschichte der Sexualfeindschaft, Gießen 1977,  S. 11 , und der Mann soll nicht so schnell nach seinem Orgasmus die Frau verlassen, damit keine Luft in den offenen Schoß einströmt und den gerade ausgesäten Samen zu sehr abkühlt. Thomas Laqueur, Auf den Leib geschrieben, Frankfurt 1992,  S. 121 Tomaso Campanella verbindet Überlieferung und modernes Denken zu einem gefährlichen eugenischen Gemisch. In seiner "Sonnenstadt" entwickelt er eine Theorie geschlechtlicher Begattung mit dem Ziel, ausschließlich ebenmäßig schöne Menschen zu zeugen. Dafür sollen sich zu einem astrologisch berechneten Zeitpunkt Dünne mit Dicken, doch schöne Menschen nur mit ihresgleichen paaren. Der Geschlechtsakt findet in Räumen der Gemeinde statt, das Bett ist umstellt von Götterbildern der Venus und des Apoll. Während des Koitus soll sich die Frau wollüstig den makellosen Körper des Gottes einprägen, der Mann die Gestalt der Venus, um ein optimales Produkt zustande zu bringen. Campanella, Tomaso, Sonnenstadt. In: Utopia, Reinbek 1996 Geradezu menschenverachtend erscheint heute der Vorschlag, den Ärzte Wilhelm von Oranien machten, als er an Pocken erkrankte. Er solle tun, was er sowieso gerne tat, nämlich mit einem jungen Pagen schlafen, um dabei animalische Geister von dem jungen, gesunden Körper aufzunehmen. Das Mittel half, der Page wurde aus Dankbarkeit immerhin zum Herzog von Portland ernannt. E. J. Haeberle, Die Sexualität des Menschen, Berlin 1985,  S. 407

Der Junge Ehemann steht im Hochzeitsappartement nackt vor dem Spiegel und bewundert sich. "Zwei Zentimeter mehr, und ich wäre ein König", sagt er stolz. "Ja", sagt die Braut, "zwei Zentimeter weniger, und du wärst eine Königin."

Idealtyp Mann, 1530

Idealtyp Frau, 1530

Koitus, 16. Jh.

Bis in die Anfänge des 17. Jahrhunderts glaubten die meisten Intellektuellen Anm., dass jeder menschliche Körper männlich und das Geschlecht der Frau nur ein infolge der Kälte ihres Temperamentes nach innen gewendetes Geschlecht des Mannes sei. Thomas Laqueur, Auf den Leib geschrieben, Frankfurt 1992,  S. 80 Paré, erster Chirurg Karl des IX., erzählt - wie später Montaigne - die Geschichte eines Mädchens, das über einen Graben sprang: "Im selben Augenblick geschah es, dass die Genitalien und die männliche Rute sich bei ihr entwickelten, weil die Bänder gerissen waren, durch die sie im Inneren gehalten worden waren." Thomas Laqueur, Auf den Leib geschrieben, Frankfurt 1992,  S. 148 Unvorstellbar, so Paré, sei der umgekehrte Fall, das Verschwinden der männlichen Geschlechtsorgane im Unterleib: "Wir finden deshalb niemals in irgendeiner wahren Geschichte, dass ein Mann je eine Frau wurde, weil die Natur immer zum Vollkommensten hin tendiert und nicht, umgekehrt, in solch einer Weise verfährt, dass, was vollkommen ist, unvollkommen werden könnte." Thomas Laqueur, Auf den Leib geschrieben, Frankfurt 1992,  S. 149
In dieser Gedankenwelt des einen Geschlechts in zwei unterschiedlich wertvollen Ausprägungen war weibliche Homosexualität mehr als nur eine sexuelle Verhaltensweise, sie war eine Anmaßung männlicher Herrlichkeit und daher verdammungswürdig. So berichtet Montaigne von einem Mädchen, das als Mann verkleidet als Weber arbeitete und eine Frau heiratete. Sie wurde, als man durch Zufall diese Anmaßung entdeckte, mit alttestamentarischer Strenge („Eine Frau soll nicht Männersachen tragen, und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen“ 5. Moses 22,5) zum Tod durch den Strick verurteilt "wegen der unerlaubten Erfindung, die Unvollkommenheit ihres Geschlechts zu ergänzen". Thomas Laqueur, Auf den Leib geschrieben, Frankfurt 1992,  S. 149 In Speyer wurde 1477 eine Prostituierte wegen einer lesbischen Beziehung ertränkt. E. J. Haeberle, Die Sexualität des Menschen, Berlin 1985,  S. 387
Porträt des Lord Cornbury (Edwar Hyde), Gouverneur von New York und New Jersey, um 1700

Chevalier d´Eon, Diplomat und Degenfechter, von Ludwig XVI. schließlich zur Frau erklärt.

Die Chevaliere d´Eon als Fechterin

Doch machte die Wissenschaft auch Fortschritte. Renaldus Columbus, Anatom in Padua und einer jener modernen Wissenschaftler, die genau hinschauten, statt zu philosophieren, entdeckte die Klitoris als Zentrum weiblicher Lust. Wie beim Penis "wird man, wenn man sie berührt, bemerken, dass sie ein bisschen härter und länglich wird, so sehr, dass sie sich als eine Art männliches Glied erweist". Thomas Laqueur, Auf den Leib geschrieben, Frankfurt 1992,  S. 81 Die Klitoris interessierte vor allem wegen ihrer orgasmusfördernden Wirkung, da man immer noch glaubte, dass der weibliche Orgasmus mit seinem Verspritzen von Samen für eine Empfängnis notwendig sei. Thomas Laqueur, Auf den Leib geschrieben, Frankfurt 1992,  S. 83 Anm. Erst fast hundert Jahre später, 1651, wird William Harvey ahnen, dass die Befruchtung nicht die Verschmelzung zweier Samen oder des männlichen Samens mit Menstruationsblut ist Ernest Borneman, Das Patriarchat, Frankfurt 1975,  S. 165 , sondern alles höhere Leben aus dem Ei entspringt. Daher sei das weibliche Element für die Fortpflanzung ausschlaggebend. Richard Lewinsohn (Morus), Eine Weltgeschichte der Sexualität, Hamburg 1956,  S. 175 Als nun der holländische Chirurg Regnier de Graaf 1672 tatsächlich ein Eierstock-Folikel bei einer Frau findet Reay Tannahill, Kulturgeschichte der Erotik, Wien 1982,  S. 358 , ist das Selbstverständnis des Mannes aufs Schwerste gefährdet. Doch der Schock dauert nur wenige Jahre. 1675 sieht angeblich Antoni von Leeuwenhoek, in Wahrheit war es sein Schüler Ham Albert Moll, Handbuch der Sexualwissenschaft, Leipzig 1921, S. 3 , zum ersten Mal Samenzellen unterm Mikroskop, kleine Tierchen, die sich bewegen. Also behält Aristoteles doch recht: Das männliche Prinzip ist der Urquell des Lebens. Richard Lewinsohn (Morus), Eine Weltgeschichte der Sexualität, Hamburg 1956,  S. 175 Anm.
© 2001 Karl Pawek  pawek@web.de
Sektion, 1524

Anatomische Darstellung des Geschlechtsaktes, Leonardo da Vinci, um 1495

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